Richtiges Maß in der Natur finden

Kultur der Mäßigung

"Das Glück besteht darin, in dem zu Maßlosigkeit neigenden Leben das rechte Maß zu finden."


Leonardo da Vinci (1452–1519)



Maßhalten als Akt der Befreiung

 In der Coronakrise werden viele Werte neu diskutiert. Auch der altmodische Begriff des „Maßhaltens“ scheint wieder an Bedeutung zu gewinnen. Der Pädagoge Thomas Vogel beschäftigt sich mit dessen unterschiedlichen Facetten. Hier das Interview vom 30.4.2020 beim Deutschlandfunk:

Kugel, aus der man, durch die Tugend der Mäßigung, ausbrechen kann

Wirtschaft im Widerspruch

"Ohne Auflösung des Antagonismus von Produktion und Konsumtion wird es der Gesellschaft nicht gelingen, sich vom Wachstumszwang zu befreien und sich zu mäßigen. Initiativen zur Lösung der gesellschaftlichen Naturkrise verlaufen im Sande, solange sie sich nicht radikal mit diesen Widersprüchen auseinandersetzen und ihre Auflösung durch Hinwirken auf eine Demokratisierung der Ökonomie beziehungsweise der Eigentumsverhältnisse in den Vordergrund der Bestrebungen stellen. Zur Überwindung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Naturkrise wäre Hemmung im doppelten Sinne, nämlich Zurückhaltung gegenüber der Natur und Kontrolle der wirtschaftlichen Mechanismen, die zu ihrer Verwüstung führen, überlebenswichtig. Diese Hemmung würde eine behutsame, mäßigende Zurücknahme des Menschen selbst und ein reflektiertes Zurückschrauben der menschlichen Produktion bedeuten. Unter den Bedingungen der gegenwärtigen Widersprüchlichkeit der Produktionsverhältnisse ist jedoch weder eine solche Selbstbeschränkung noch eine gesellschaftliche Veränderung im Naturumgang zu erwarten." 

(Zitat aus Vogel, T. (2018):  "Mäßigung-Was wir von einer alten Tugend lernen können" oekom, S. 105 f.) 

Interesse an mehr?

Hier ein Radio-Interview mit Attac (München), das ich am 3. April 2019 gegeben habe. 

Genuss der Natur durch gemäßigten Konsum

Was ist eigentlich Wohlstand? 

Wohlstand wird in unserer Industriekultur häufig mit Geld und materiellem Reichtum gleichgesetzt. Als Maßstab für Wohlstand gilt unserer Kultur das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Dass dieser Maßstab allerdings nicht gleichzusetzen ist mit dem Glück und der Zufriedenheit der Bevölkerung, ist in der vergangenen Zeit immer deutlicher geworden. Klimawandel, Artensterben, Vermüllung der Meere und vieles mehr zeigen außerdem, dass unser Lebensstil keine Zukunft hat; wir leben auf Kosten der Zukunft unserer Kinder. Wir benötigen dringend ein Nachdenken über neue Wohlstandsmodelle. Einige Gedanken, wie unser Wohlstand der Zukunft in einer Kultur der Mäßigung aussehen könnte, sind hier nachzulesen:

Wald und Natur als Maß von Glück und Zufriedenheit der Kultur

„Wir brauchen eine neue Kultur der Mäßigung“

Interview mit dem Magazin "agora42 - Das philosophische Wirtschaftsmagazin" - veröffentlicht in Ausgabe 4/2018 (Heft 42) 

Das richtige Maß im Konsum von Kleidern

Genug !

„Den Reichtum eines Menschen kann man an den Dingen erkennen, die er entbehren kann, ohne seine gute Laune zu verlieren.“ (Henry David Thoreau, Schriftsteller und Philosoph) 

Das Features GENUG! ÜBER DIE VERGESSENE TUGEND DER MÄßIGUNG, an dem ich mitgewirkt habe  (Sendung  des SWR am 2.6.2019 / 12.05 Uhr), könnt ihr hier nachhören:

Kaktus-Pflanze als Symbol des Maß haltens

"Auf der Suche nach dem verlorenen Maß"

Interview mit "Transform - Magazin für das Gute Leben" am 25.3.2019 

Gesichter mit Barcodes als Zeichen des verlorenen Maßes

Gemeinsam philosophieren

Auf der Suche nach Glück und dem richtigen Maß begegnet 
man irgendwann dem Schaf.


Das Schaf repräsentiert einen nicht unerheblichen Teil menschlicher Kulturgeschichte: Es verkörpert archaische Hirtenkultur und pastorale Idylle. Als geduldiges Opfertier liegt das Lamm auf der Schlachtbank. Und als Wolllieferant war es Wegbereiter der industriellen Moderne. 
Schon seit vielen Jahren halte ich eine kleine Schafherde. Für mich bedeutet diese Haltung ein sozial-ökologisches Experiment. Was da so friedlich in der Aue grast, kann uns viele Einsichten geben, Tages- und Jahresverläufe strukturieren, zum Nachdenken über Mensch und Natur anregen. 


Interesse an einem philosophischen Gespräch auf meiner Schafweide in der Lüneburger Heide? In unregelmäßigen Abständen biete ich solche Gespräche an. Meldet Euch einfach bei mir: 

Schafherde, die für Glück und das richtige Maß sorgt

Unterwegs mit menschlichem Maß

„Da suchen sich die Menschen Stätten, um sich zurückzuziehen: Aufenthalte auf dem Lande, an der See, im Gebirge. … Und doch ist all solches Verlangen in höchstem Grade kindisch … denn der Mensch zieht sich nach keiner anderen Stätte zu größerer Ruhe und Ungestörtheit zurück als in seine eigene Seele.“  

(Marc Aurel, 121–180 n. Chr.)

Wald als ungestörter Rückzugsort für die Seele

Über unseren Umgang mit den Dingen

Die Grafik links stellt Stufen eine zukunftsorientierten und nachhaltigen Umgangs mit den Dingen dar. Der Ressourcenverbrauch im Umgang mit den Dingen von oben nach unten ab.  Wenn es Dich interessiert, wie sich unser Umgang mit den Dingen im historischen Verlauf entwickelt hat, und wie er sich angesichts zunehmender ökologischer Grenzen entwickeln müsste, kannst Du hier mehr erfahren: 

Entwicklungspyramide des Maß Haltens

Statt immer wieder neu! 

Hier eine Literaturempfehlung: 

Arbeitsmoral

Stets arbeiten wir an neuen Projekten und meinen, dadurch das eigene Leben und das unserer Kinder zu verbessern und weiterzuentwickeln. Durch viele Arbeiten und die technischen Möglichkeiten zerstören wir aber auch zunehmend unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Wir brauchen eine andere Sicht auf die Arbeit und die Frage, was denn überhaupt Fortschritt ist. Der Literatur- Nobelpreisträger Heinrich Böll hat in den 1960er Jahren eine "Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral" verfasst, die zum Nachdenken und zur Diskussion über unsere Arbeitsgeselschaft anregt:  
"In einem Hafen an einer westlichen Küste Europas liegt ein ärmlich gekleideter Mann in seinem Fischerboot und döst. Ein schick angezogener Tourist legt eben einen neuen Farbfilm in seinen Fotoapparat, um das idyllische Bild zu fotografieren: blauer Himmel, grüne See mit friedlichen schneeweißen Wellenkämmen, schwarzes Boot, rote Fischermütze. ...

Nachhaltige Entwicklung der Arbeitsmoral zur Mäßigung

Gesundheit

Der exzessive Lebensstil unserer Überfluss- und Wachstumsgesellschaft bedroht nicht nur unsere natürlichen Lebensgrundlagen, sondern stellt zugleich eine zunehmende Gefahr für die Gesundheit der Menschen dar. In ihrer wachsenden Komplexität überfordert diese Industriekultur den Einzelnen und macht ihn krank. Die Zahl der Menschen, die heute unter Stress, Depression, Essstörungen oder unter einem Burnout-Syndrom leiden, steigt stetig. Allein in den letzten 25 Jahren nahm die Verordnung von Antidepressiva laut Arzneimittelverordnungsreport  in Deutschland von 197 auf 1467 Millionen Tagesdosen zu - das entspricht einer Steigerung von 745 Prozent. Viele, vielleicht sogar die meisten heutigen Zivilisationskrankheiten – dazu gehören neben den psychischen Erkrankungen unter anderem auch Herz- und Gefäßkrankheiten, Karies, Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 sowie manche Allergien, Krebs- und Hauterkrankungen -, kann man ursächlich auf eine fehlende Balance zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig zurückführen. 

Gesundheit und Ernährung als Teil der Mäßigung

Links zum

  Weniger:


Höher, schneller und weiter? Unbegrenztes Wachstum auf Kosten sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit ist eine endliche Geschichte. Deshalb ist eine Wachstumswende nötig, um anders zu wirtschaften, besser zu leben und weniger zu verbrauchen.


Das Netzwerk Wachstumswende und der Blog Postwachstum dienen dazu, Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam an Lösungen für eine Gesellschaft jenseits von Wachstumszwängen arbeiten wollen.